bumbi

Anmeldungsdatum: 01.07.2009 Beiträge: 2168 Wohnort: 3013 Bern
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Verfasst am: 29.08.2011 20:46 Titel: Stempel: Jungfernreise T.S. Bremen |
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Hoi zämä,
Als ich diesem Stempel gefunden habe, hatte ich schon so ein Bild vor Augen wie die erste Fahrt der Queen Elizabeth oder die Titanic: Jungfernfahrt, grosser Bahnhof, viele wollen mitfahren, ein Hauch von Abenteuer (weil es eben die erste Fahrt wird und noch keiner genau weiss, ob der Kahn nicht unterwegs doch noch absäuft)
ja, man sollte nicht immer nur das "positive" sehen...
Da ich mich noch ein bisschen informieren wollte, wie denn so das Schiff ausgesehen hat, ob die vielleicht heute noch herumtuckert....
...und so...
...hab ich mich dann auf Wikipedia schlau gemacht und war masslos enttäuscht, weil ich mir unter Jungfernfahrt eben etwas anderes vorstelle...
Also, hier kommt, was ich meine:
Ursprünglich wurde das Schiff 1938 in Frankreich vom Stapel gelassen und dabei auf den Namen (Louis) "Pasteur" getauft. Ein Brand verzögerte die Fertigstellung bis 1939 und der Beginn des Krieges verhinderte eine anschliessende "offizielle" Jungfernfahrt.
1957 erwarb die Norddeutsche Lloyd das "alte" Schiff für 30 Mio. Mark und erneuerte es im Bremen vollständig. Im Juni 1959 war die erste Probefahrt. Am 9.7.1959 war dann die ZWEITE Jungfernfahrt.
...na gut, ich finde Recycling auch etwas gutes, aber man solle es danach nicht wieder als "Jungfrau" verkaufen. Ist aber nur meine persönliche Meinung, und ich habe auch schon falsch gelegen...
Aber das interessanteste und unheimlich faszinierende ist die gesamte, sehr wechselhafte Geschichte dieses Schiffes:
Ich kopiere (...aber ich gebe ja die Quelle an, dann bin ich doch nicht so ein schlimmer Pirat...) hier einfach mal ganz frech das spannende Kapitel [url="http://de.wikipedia.org/wiki/Bremen_(1939)#Geschichte"]Geschichte[/url] aus dem Wiki-Artikel:
Die erste bereits ausgebuchte Reise der Pasteur konnte durch den Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht erfolgen. Sie verblieb in St. Nazaire und in Brest. 1940 wurden auf ihr 200 Tonnen Goldreserven Frankreichs nach Kanada verschifft. Nach der Niederlage Frankreichs übernahm Großbritannien das Schiff. Sie wurde als Truppentransporter und Lazarettschiff zwischen Kanada, Südafrika, Australien und Südamerika eingesetzt und hat dabei um 300.000 Soldaten transportiert. Nach der Rückgabe an Frankreich fuhr sie ab 1946 in französischen Diensten als Truppentransporter nach Vietnam (Vietnam-Krieg) und ab 1954 bis 1957 nach Algerien.
1957 kaufte der Norddeutsche Lloyd das Schiff für 30 Mio DM. Der Verkauf löste heftige Proteste bei der französischen Bevölkerung aus. Die Überführung erfolgte im September 1957 von Brest nach Bremerhaven. Der Lloyd ließ es auf der Bremer Vulkan-Werft für weitere rund 65 Mio DM umbauen und setzte sie unter dem Namen Bremen im Nordatlantikdienst ein. 9. Juli 1959 brach die sie zu ihrer Jungfernfahrt von Bremerhaven über Southampton und Cherbourg nach New York City auf. Sie galt als eines der schönsten Passagierschiffe ihrer Zeit.
1960 konnte die Bremen rund 14.000 Gäste von Europa nach den USA und ebenso viele Gäste in die Gegenrichtung befördern. Daneben wurde die Bremen ab 1960 auch im Kreuzfahrtverkehr in der Karibik und nach Südamerika genutzt. Auch 1961 war ihre Auslastung mit 85 % sehr gut. Ab 1964/65 waren die Auslastung und vor allem die wirtschaftliche Lage weniger befriedigend, da der Flugverkehr eine deutlich steigende Konkurrenz wurde. Ab 1965/67 mussten für die Bremen zunehmende Verluste verzeichnet werden. Die Fahrten wurden mehr und mehr und ab 1971 fast nur noch auf die Kreuzfahrt verlegt. 1970 fusionierte der Lloyd mit der HAPAG zur Großreederei Hapag-Lloyd. Im Oktober 1971 wurde die Bremen nach 175 Atlantiküberquerungen und 117 Kreuzfahrten für 40 Mio. DM nach Griechenland verkauft an die Chandris-Reederei.
Sie fuhr nun als Regina Magna im Mittelmeer, wurde aber bereits 1974 in Piräus aufgelegt. Ab 1977 war sie unter dem Namen Saudiphil I ein Hotelschiff in Dschiddah. 1980 wurde sie als Filipinas-Saudi I an die Philsimport international in Hongkong verkauft; auf der Schleppreise nach Taiwan zum Abwracken ist sie am 6. Juni im Indischen Ozean gesunken.
Ab meisten irritiert mich der Schlusssatz: ...auf der Schleppreise zum Abwracken...gesunken...
Wie praktisch !
Na gut, es könnte auch sein, dass sie in einen Sturm gekommen sind und das wahrscheinlich antriebslose Schiff sich nicht gescheit gegen die Wellen wehren konnte.
Also hat der "Kahn" insgesamt 5 Namen gehabt und ist über 40 Jahre lang auf den Weltmeeren herumgegondelt oder am Pier gelegen.
Wenn ich meinen Hyundai in 35 jahren mal verkaufen wollte, so kann der neue Besitzer den als Ferrari immatrikulieren???
Und wenn der Kanton Bern das nicht so machen will, so gehen wir mit den Papieren einfach nach Appenzell??
Na gut, so ein Pott ist ja auch leicht teurer als meine Karre...
Gruess, Bumbi _________________ Life might be expensive,
...but you are dead for a long time ! |
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