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Markensammler sind keine Bünzli

 
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tubist



Anmeldungsdatum: 28.10.2005
Beiträge: 204
Wohnort: Büetigen

BeitragVerfasst am: 30.12.2005 20:22    Titel: Markensammler sind keine Bünzli  

Quelle: Bieler Tagblatt vom 28.12.2005, Ressort Schweiz-BE

«Markensammler sind keine Bünzli»

Nein, es muss ja nicht gleich eine «Halbe Doppelgenf» für 11 000 Franken sein. Auch weitaus günstigere Stücke bietet das Berner Philatelieunternehmen Zumstein an. Seit 100 Jahren handelt die Firma mit Briefmarken.

Christian Werder

Briefmarken sammeln. Ist das nicht etwas für langweilige Spiesser, die sich krampfhaft an ihr stilles Hobby klammern, weil sie nicht wissen, was sie in ihrer Freizeit sonst anfangen sollen?

Christoph Hertsch schmunzelt bloss, wenn er mit solchen Klischees konfrontiert wird. Der 42-jährige Geschäftsführer des international renommierten Philatelieunternehmens Zumstein + Cie. an der Zeughausgasse 24 in Bern weiss es besser. «Schauen Sie, Briefmarkensammler sind absolut keine Bünzli. Im Gegenteil: Die meisten von ihnen sind interessierte, offene Leute, die sich mit verschiedensten Themen und Motiven befassen», erklärt er. Leute auch, die selbstverständlich wissen, welch hohen Wert einzelne Exemplare haben.

Von Zumstein zu Hertsch

«Briefmarken sammeln kann in vielen Fällen durchaus mit dem Sammeln von Kunstwerken oder Schmuckstücken ver-glichen werden», steht für Christoph Hertsch fest. Und: Briefmarken sammeln sei nach wie vor absolut im Trend - nicht nur bei Erwachsenen, auch bei Kindern und Jugendlichen. «So genannte Nachwuchssorgen gibts in dieser Branche nicht», betont Hertsch.
Der 42-Jährige weiss zweifellos, wovon er spricht. Er ist seit 1983 in der Firma Zumstein tätig und leitet seit fünf Jahren in der 4. Generation die Geschicke des Unternehmens. Der eidgenössisch diplomierte Kaufmann ist anerkannter internationaler Philatelieexperte, Schätzer und Markenprüfer. Und er hat sein Geschäft ins elektronische Zeitalter geführt. Mit allen Möglichkeiten, welche Internet und einschlägige Software auch der traditionellen Philatelie bieten. Mit weltumspannenden Kontakten, welche blitzschnell aktiviert werden können. Sei es für den Einkauf oder den Verkauf, sei es für Prüfungen oder Beratungen.
Was würde wohl Ernst Zumstein zu dieser rasanten Entwicklung sagen? Er war es, der 1905 den Grundstein zum erfolgreichsten Philatelieunternehmen der Schweiz legte. Zu einer Zeit, als das Sammeln und Auswerten von Briefmarken noch misstrauisch betrachtet und als reine Spielerei abgetan wurde. Doch die Kritiker sollten schon bald eines Besseren belehrt werden. Die noch junge Branche begann zu boomen.
Kurz nach dem Tod von Ernst Zumstein übernahm dessen Kollege Arthur Hertsch 1920 die Geschäftsleitung. Auf ihn folgte 1964 sein Sohn Max. Dieser verstand es insbesondere, auch das Interesse der Massenmedien an der Philatelie zu wecken. Sein grosses Fachwissen stellte er in unzähligen Publikationen unter Beweis. In der Folge begannen immer mehr Leute, Briefmarken zu sammeln.

40-Millionen-Sammlung

Heute sind Briefmarken für manche Sammler vor allem auch Kapitalanlagen. «Wer sein Geld so anlegen will, dass er sich nach der Investition kaum mehr weiter um den Werterhalt kümmern muss, der liegt mit Marken genau richtig», versichert Christoph Hertsch. Der Wert einer seltenen Sammlung würde sich niemals verringern, und «Topstücke» könne man immer mit Gewinn weiterverkaufen. Zu den «Topstücken» gehören beispielsweise die «Halbe Doppelgenf linke Hälfte» für aktuell 11 000 Franken. Oder etwa die «Basler Taube auf Brief» für 30 000 Franken. Oder als absolutes Prunkstück die «Rayon 1, hellblau, auf Brief» für sage und schreibe 350 000 Franken.
Bei solchen Preisen erstaunt es nicht weiter, dass einzelne Sammlungen die Millionengrenze weit überschreiten. Christoph Hertsch: «Die wertvollste mir bekannte Sammlung in der Schweiz würde bei einem Verkauf rund 40 Millionen Franken einbringen.»

Die Queen als Kundin

Wo so viel Geld im Spiel ist, erstaunt es eigentlich nicht weiter, dass auch Blaublüter kräftig mitmischen. So gehören denn auch Fürst Albert von Monaco, Schwedenkönig Carl Gustav oder gar die englische Queen Elizabeth zum erlauchten Kundenstamm der Berner Traditionsfirma Zumstein + Cie. Klar, persönlich erscheint der Hochadel nicht im Geschäft an der Zeughausgasse. Doch gibt es Verbindungsleute, welche die Anliegen dieser besonderen Kundschaft vorbringen.
Mehr verrät Christoph Hertsch allerdings nicht. Auch nicht zur weiteren Klientel. Ausser, dass in der Kundenkartei 50 000 Personen aufgeführt sind. Denn: «Geht es um unsere Kundinnen und Kunden, ist höchste Diskretion angesagt.» Schliesslich wolle man seinen weltweit erstklassigen Ruf nicht aufs Spiel setzen. «Mit unbedachten Äusserungen könnten wir diesen Ruf in drei Sekunden zerstören.»
Firmengründer Ernst Zumstein würde ob einer solch seriösen Geschäftseinstellung seines Nachfolgers in der 4. Generation wohl zufrieden mit dem Kopf nicken.

Gruss

tubist
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klassiker



Anmeldungsdatum: 31.08.2005
Beiträge: 622
Wohnort: Bern

BeitragVerfasst am: 30.12.2005 23:39    Titel: Re: Markensammler sind keine Bünzli  

Der Berner "Bund" hat heute auch einen Artikel zum 100-jährigen der Firma Zumstein.

Mit einem Satz in dem von Dir zitierten Artikel bin ich allerdings nicht ganz einverstanden.

Wenn der Redakteur schreibt

Zitat:
Er war es, der 1905 den Grundstein zum erfolgreichsten Philatelieunternehmen der Schweiz legte. Zu einer Zeit, als das Sammeln und Auswerten von Briefmarken noch misstrauisch betrachtet und als reine Spielerei abgetan wurde.


ist er selbst ganz offenbar kein Philatelist:
Die teilweise heute noch gültigen Standardwerke von Moens entstanden in den Jahren um 1880 - um nur ein Beispiel zu nennen!
Nicht nur das Sammeln, auch die echte Philatelie war also um die Jahrhundertwende schon lange etabliert.

Zitat:
Im Jahre 1866 kam es zur offiziellen Gründung des ersten Briefmarkenvereines der Welt. Es handelt sich dabei um die Excelsior Stamp Association aus den Vereinigten Staaten.

(Wkipedia-Eintrag zum Stichwort "Philatelie")

Sollte man dem Blatt mal einen Leserbrief schreiben?

Chris
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http://www.klassische-philatelie.ch
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tubist



Anmeldungsdatum: 28.10.2005
Beiträge: 204
Wohnort: Büetigen

BeitragVerfasst am: 01.01.2006 20:22    Titel:  

Hallo Chris

Zitat:
ist er selbst ganz offenbar kein Philatelist


Vielleicht??
Auch ich kenne mich mit der philatelistischen Eigenheiten um die Jahrhundertwende nicht aus.

Zitat:
Sollte man dem Blatt mal einen Leserbrief schreiben?


Bringt nach meiner Meinung nichts (ausser im Namen des ortsansässigen Philatelistenvereins).
Ich bin schon glücklich, dass diese "lokal" Zeitung über unseres Hobby schreibt. Wenn wir jetzt ein Leserbrief schreiben, benehmen wir uns in gewissen Augen wieder wie ein "Bünzli".

Gruss

tubist
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klassiker



Anmeldungsdatum: 31.08.2005
Beiträge: 622
Wohnort: Bern

BeitragVerfasst am: 02.01.2006 12:39    Titel:  

Hi tubist,

tubist hat Folgendes geschrieben:
Auch ich kenne mich mit der philatelistischen Eigenheiten um die Jahrhundertwende nicht aus.


vielleicht nicht - aber wenn Du einen Artikel darüber schreiben müsstest, würdest Du anständig recherchieren.

Journalisten sind irgendwie mein Lieblings-Feindbild ...

Vorurteile sind die Summe der Lebenserfahrung Wink - wir hatten da jetzt gerade wieder einen Fall, wo eine hiesige Zeitung meinte, etwas Medizinisches bringen zu müssen (kommt beim Publikum immer gut an; siehe diese unsäglichen Landarzt- und Schwester Stefanie-Serien im Fernsehen); der Kollege, um den es dabei ging, hat dann immerhin erreicht, dass sie einen Nachtrag gebracht haben, in dem die gröbsten Fehler korrigiert wurden.

Ich bin jetzt beim Aufräumen auf einen Leserbrief gestossen, den ich vor gut 10 Jahren an das damals gerade relativ neu etablierte Magazin FOCUS geschrieben habe. Die hatten einen Beitrag über Philatelie - unglaublich schlampig recherchiert. Natürlich haben sie den Leserbrief nicht veröffentlicht.

Halte mich jetzt bitte nicht für einen querulatorischen Nörgler, aber als Jemand, der selbst gelegentlich Sachen veröffentlicht, habe ich einfach kein Verständnis für nachlässige Arbeit. In unserem Fach gibt es das System des so genannten peer review - eine zur Veröffentlichung eingereichte Arbeit wird, anonymisiert, von zwei oder drei Kollegen des Fachgebiets beurteilt. Ich mache auch selbst solche Reviews - und da wird mit einem ganz feinen Kamm gearbeitet. Das schult, und da gewöhnst Du Dir, als Autor wie als Reviewer, sehr strenge Massstäbe an.

Im Fall, um den es hier geht, hätte der betreffende Angehörige der schreibenden Zunft ja wirklich nur mal einen Blick in Wikipedia werfen müssen; das kann man, denke ich, erwarten - das ist schliesslich sein Beruf.

Ciao,
Chris
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http://www.klassische-philatelie.ch
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