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Das Problem der Farben in der Philatelie

 
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klassiker



Anmeldungsdatum: 31.08.2005
Beiträge: 622
Wohnort: Bern

BeitragVerfasst am: 08.07.2006 08:20    Titel: Das Problem der Farben in der Philatelie  

Auslöser dieses Beitrags war ein Artikel im letzten Heft (Juli 06) der
philatelie, der Zeitschrift des BDPh.

Jeder kennt das Problem; wir hatten hier schon etliche Diskussionen über
Farbvarianten, Farbbestimmungen, Farbenführer ...

Ich habe auf meiner Site einen Artikel zu dem Thema, in dem jeder Leser
selbst einmal probieren darf, Marken aus einer der für ihren Varianten-
Reichtum berühmten Ausgaben (DR "Krone/Adler") richtig einzuordnen.

Die philatelie berichtet nun, dass der BPP (Bund Philatelistischer Prüfer)
das Thema "Farbe" zum Hauptthema seiner letzten Jahrestagung gemacht hat.

Das Problem: Es ufert aus - es gibt zu viele Farben, keiner weiss mehr, wie
man sie bestimmen soll, ob man sie (Stichwort subjektiv unterschiedliche
Farbwahrnehmung) überhaupt bestimmen kann, wie sich Farben verändern etc.

Patentlösungen konnte die Expertenrunde auch nicht anbieten, aber darüber,
dass etwas geschehen muss, herrschte Einigkeit.

Der nahe liegendste Vorschlag, auf die Aufzählung einer riesigen Zahl von
(ohnehin kaum präzise unterscheidbaren) Farbtönen und erst recht die
z.T. erheblich unterschiedlichen Bewertungen komplett zu verzichten,
wird sich nicht durchsetzen können - Zitat aus dem Artikel:

"Resultat eines solchen 'Kahlschlages' wäre eine Vermögensvernichtung
riesigen Ausmaßes ..."
- logisch, denn wer Tausende Euro für die seltene
Variante dunkellilarosabräunlichgrau bezahlt hat, wird sich kaum damit
abfinden, dass es irgendwann nur noch heisst "lila (Töne)".

Mir gefiel der nächste Vorschlag gut; da heisst es
"Realer erscheinen da Ansätze einer Katalogisierung, die nur die Markentönungen
aufnimmt, die von Druckereien und/oder Postverwaltungen Ankündigung oder
nachträgliche Bestätigung gefunden haben."


Die diversen Drucke - und das ist etwas philatelistisch Fassbares - z.B. einzelner
dänischer Skilling-Ausgaben lassen sich auch praktisch nur über die Farbe
unterscheiden; das ist etwas anderes, als wenn mitten im laufenden
Druckprozess der Drucker für den Farbansatz einen Eimer weisse Farbe
weniger verwendet und damit die seltene Variante in hellgrau erzeugt
hat.
Nur: Weiter heisst es dazu "Dieser Ansatz käme dann aber fast zum gleichen
Resultat wie der Rundumschlag zuvor, denn die Mehrzahl wurden eben nicht
angekündigt oder bestätigt."


Was bleibt also?

"Pragmatischer wäre der Versuch, den Dschungel zu entrümpeln, die Vielfalt
zu reduzieren auf die wesentlichen, sprich also quantitativ häufig belegbaren
Farbtönungen, deren Vorkommen ja auch für tatsächlich vorgekommene
Teilauflagen spricht. Alles andere könnte speziellen Handbüchern vorbehalten
bleiben ..."


Klingt meiner Meinung nach sehr vernünftig.

Warten wir's also ab, zumal wir hier in der Schweiz ja die gleichen Probleme,
die unsere Sammlerkollegen in Deutschland mit vielen Ausgaben des Deutschen Reichs
haben, durchaus auch kennen - wir sehen erwartungsfroh dem Erscheinen
des Strubel-Handbuches entgegen.

(alle Zitate aus: W. Maassen: Das Farbproblem in der Philatelie. Aktuelle
Wegweisung der Jahrestagung des BPP 2006. philatelie 58:37-40, 2006)

Chris
_________________
http://www.klassische-philatelie.ch
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ralph



Anmeldungsdatum: 10.07.2006
Beiträge: 58
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 01.08.2006 11:36    Titel:  

Beim Thema Farbe gibt es tatsächlich die unterschiedlichsten Probleme. Dies beginnt mit den nicht standardisierten Farbbezeichnungen, setzt sich über die Schwierigkeiten der Farbbestimmung fort und endet nicht mit der Trennung von Farbunterschieden. Kernaussage des philatelie-Artikels war es, dass eine Reihe von Farbunterschieden nicht durch drucktechnische Ursachen (z.B. Teilauflagen) sondern schlicht durch unterschiedliche Lagerungsbedingungen ihr entstehen verdanken. Somit kann m.E. nur der "pragmatische" Vorschlag zielführend sein. Andere Farben wären dann als Tönungen zu bezeichnen.
_________________
Grüße aus Berlin.
Ralph.
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ralph



Anmeldungsdatum: 10.07.2006
Beiträge: 58
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 04.08.2006 12:36    Titel: Gefunden auf www.bpp.de  

Der BPP ist der Bund der Philatelistischen Prüfer in Deutschland. Den folgenden Text fand ich auf der Internetseite www.bpp.de. Interessant zu lesen:

Bestimmung und Bezeichnung von Farbtönungsunterschieden
(Anhang zu den Prüfstandards und den Verhaltensgrundsätzen)

Stand 20.07.2006
Für die Bestimmung und Bezeichnung der Farbtönungsunterschiede (früherer Sprachgebrauch Farbunterschiede) gelten folgende Regeln:

Die Bestimmung von Farbtönungsunterschieden muss bei einer gleichmäßigen, von äußeren Umständen (Jahreszeiten, Wetter) unabhängigen Beleuchtung erfolgen (Tageslichtlampe unter weitgehender Abschirmung des Sonnenlichtes), wobei stets mit geordnetem Vergleichsmaterial zu arbeiten ist.

Wenn mehrere Prüfer ein gleiches Gebiet bearbeiten, müssen gleiche, reproduzierbare Beleuchtungsverhältnisse vorhanden sein (Tageslichtlampe).

Die Abstimmung und Kontrolle des Vergleichsmaterials ist vor Aufnahme eines Prüfers von diesem mit seinen zukünftigen Kollegen vorzunehmen. Dies ist auch später in gewissen Abständen zu wiederholen.

Katalogisierte Farbtönungsunterschiede können signiert bzw. attestiert werden.

Die Bestimmung und Neuaufnahme bisher nicht katalogisierter Farbtönungsunterschiede setzt die intensive Beurteilung aller zuständigen Prüfer voraus. Gibt es nur einen Prüfer, ist die übereinstimmende Beurteilung mit der Verbandsprüfstelle herbeizuführen. Im allgemeinen sind bei Neukatalogisierungen von Farben die Grenzbereiche möglichst breit zu halten, wenn diese nicht bereits durch die historische Entwicklung innerhalb eines bestimmten Prüfgebietes vorgegeben sind.

Die Bezeichnungen für bereits durch entsprechendes Vergleichsmaterial (Farbreihen) festgelegte Farbtönungsunterschiede dürfen nicht verändert werden (z. B. alte Bezeichnung "b" darf nicht plötzlich "e" sein).

Die Grenzen der Farbgruppen, die einmal festgelegt wurden, dürfen nicht verändert werden. Innerhalb dieser Farbgruppen ist eine spätere, weitere Unterteilung nur möglich, wenn neue Unterbuchstaben verwendet werden (z. B. "aa").

Äußere Einflüsse (Lagerbedingungen, Verfärbungen) sind bei der Prüfung zu berücksichtigen. Verfärbungen sind nach dem Schalterverkauf der Marken z. B. durch Oxidation, Lichteinwirkung, Reinigungsmittel, Lösungsmittel (Benzin, Wasser) sowie durch gezielte oder unbeabsichtigte (chemische oder biologische) Beeinflussung eingetretene Änderungen der Druckfarbe.

Signifikant verfärbte Marken werden in der Regel nicht oder höher signiert. Für hochwertige Stücke können Befunde mit entsprechenden Angaben ausgestellt werden. Stücke, bei denen unter der UV-Lampe schwache Verfärbungen nachweisbar sind, können signiert werden, sofern diese Verfärbungen nicht die Zuordnung zu bestimmten Farbengruppen verändert haben.

Für die Erforschung der Farbtönungsunterschiede einer Marke können Spektralphotometer herangezogen werden. Da diese nur in wenigen Labors existieren und deren Handhabung umfangreiches theoretisches Wissen voraussetzt, ist in der Praxis wegen des enormen Aufwandes eine Prüfung damit nicht möglich. Andere Geräte wie Scanner, UV-Lampen, Farbfilter sind leichter einsetzbar.

Im Grenzbereich der Farbtönungsunterschiede sind geringe Abweichungen unter den Prüfern und auch beim gleichen Prüfer bei zeitlich auseinanderliegender Beurteilung nicht vollständig auszuschließen. Eine objektive Nachprüfung im Farbtönungsgrenzbereich ist deshalb nicht möglich. Abweichende Prüfergebnisse im Farbtönungsgrenzbereich begründen daher keinen Grund zu Beanstandungen.
_________________
Grüße aus Berlin.
Ralph.
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Bruno



Anmeldungsdatum: 30.12.2008
Beiträge: 210
Wohnort: Kreuzlingen TG

BeitragVerfasst am: 06.01.2009 11:16    Titel:  

Gibt es irgend welche Farbtafeln, anhand denen man sich etwas orientieren kann?

Ich habe da zwei farblich unterschiedliche Marken, welche ich aber aufgrund der Grösse vom Kontrollzeichen beide mit der Zumstein Nr. 61B zuordnen würde. Mir stellt sich jedoch nur das Problem der unterschiedlichen Farben. Bei der links abgebildeten Marke passt es ja noch mit der Definition "zinnober" überein, aber die rechte?


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Hamlet
Site Admin


Anmeldungsdatum: 05.05.2004
Beiträge: 2675
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BeitragVerfasst am: 06.01.2009 14:14    Titel:  

Du solltest unter Umständen auch in Betracht ziehen, dass sie bloss durch Sonnenlicht ausgebleicht sein könnte. Sie Dir dazu unser spannendes Experiment mit Tellknaben an. Rot ist eben besonders anfällig auf Sonne.

Hamlet
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klassiker



Anmeldungsdatum: 31.08.2005
Beiträge: 622
Wohnort: Bern

BeitragVerfasst am: 06.01.2009 15:59    Titel:  

Hamlet hat Folgendes geschrieben:
Du solltest unter Umständen auch in Betracht ziehen, dass sie bloss durch Sonnenlicht ausgebleicht sein könnte.


Was hier wahrscheinlich ist, da auch der Stempelabschlag eher dunkelgrau
aussieht (vgl. dazu das wesentlich sattere Schwarz auf der linken Marke).

@Bruno:
Ja, es gibt diverse Farbtafeln. Im deutschsprachigen Raum ist wohl der
Michel-Farbenführer am bekanntesten.

Es gibt es aber auch einen Colour Key von Stanley Gibbons. Der kommt
mit nur 200 Farben aus (Michel: 570), und die heissen sicher nicht
genauso wie bei Michel ...

Das ist das Problem: Diese Farbenführer sind auf die Kataloge der
jeweiligen Firma abgestimmt. Michel-Katalog + Michel-Farbenführer ist
in Ordnung, aber Michel-Katalog + SG Colour Key wird Dich nicht
glücklich machen.

Das Thema bleibt schwierig ...

Gruss,
Chris
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Bruno



Anmeldungsdatum: 30.12.2008
Beiträge: 210
Wohnort: Kreuzlingen TG

BeitragVerfasst am: 06.01.2009 19:56    Titel:  

Im Zumstein Spezialkatalog Schweiz (Auflage 1992) gibt es zwar Farbvarianten, diese passen aber nicht mit meiner Beurteilung zusammen.

Wird wohl wirklich die Sonneneinstrahlung sein. Ist aber erschreckend, was das ausmachen kann. Sieht man erst, wenn man zwei Marken so vergleichen kann. Die helle habe ich erst kürzlich erhalten und kann natürlich nach der Ausgabe auf irgend einem Brief an der Sonne gelegen haben, bevor sie in eine Sammlung kommt.
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Afredolino



Anmeldungsdatum: 14.07.2005
Beiträge: 1310
Wohnort: 8762 Schwanden

BeitragVerfasst am: 07.01.2009 17:04    Titel:  

Hallo Bruno

In meinem Zumstein Spezial 2000 werden bei der Nr. 61B nicht nur 2, sondern 5 verschiedene Farbvarianten angegeben:

- Karmin (1893)
- Rosakarmin
- Zinnober (1897)
- Zinnober (satt)
- Zinnoberrot

Welche Variante jetzt aber auf deine Marke zutrifft, kann ich Dir aber anhand eines Scann's auch nicht bestimmen. Sie könnte von der Sonne ausgebleicht sein oder sie hat ev. ein zu langes Wasserbad erhalten. Beide Möglichkeiten kommen in betracht.

Gruss
Afredolino
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Beginn den Tag mit einem lächeln und Du hast ihn schon gewonnen
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Bruno



Anmeldungsdatum: 30.12.2008
Beiträge: 210
Wohnort: Kreuzlingen TG

BeitragVerfasst am: 07.01.2009 22:44    Titel:  

In meiner alten Ausgabe hat es auch die gleichen 5 Varianten, wenn ich's mich noch richtig erinnere. Aber nach meinem Farbverständnis passt keine auf diese hellere Marke.
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